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Taijiquan ist eine innere Kampfkunst und kein Kampfsport

Geht der große SINN zugrunde,
so gibt es Sittlichkeit und Pflicht.
Kommen Klugheit und Wissen auf,
so gibt es die großen Lügen.
Werden die Verwandten uneins,
so gibt es Kindespflicht und Liebe.
Geraten die Staaten in Verwirrung,
so gibt es die treuen Beamten.
aus Tao te king 18

Es ist schon seltsam, wenn ein Tai Chi Kurs angeboten wird und in der Beschreibung liest man, dass Taijiquan ein Kampfsport ist. Seltsam und auch ein wenig ärgerlich, denn müssen die Lehrer denn keine Ausbildung absolvieren, wo Sie zumindest erfahren, was Tai Chi Chuan ist?
Vielleicht wäre doch in Tai Chi auch ein Graduierungssystem angebracht, siehe Taijiquan Lehrer und ihre Ausbildung, wo man dann bei der gelben Gürtelprüfung verlangen könnte, dass der Schüler weiß, was er gerade lernt.
Ich stelle mir gerade einen Plan für den Herbst zusammen und suche noch einen Qigong oder Tai Chi Kurs, den ich gemeinsam mit meiner Tochter besuchen kann. Dabei kommt nur Montag und Freitag in Frage, denn Dienstag habe ich Aikido vor, Mittwoch und Donnerstag sind auch schon verplant und der Kurs darf höchstens bis 20 Uhr dauern. Es soll kein Einführungskurs für ganz unerfahrene Anfänger sein, da sie schon ein Jahr Erfahrung gesammelt hat, sowohl in Qigong, als auch in Taijiquan. Noch dazu soll der Kurs für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen geeignet sein. Daher durchsuche ich gerade die Angebote und lese dort und da, dass ein Tai Chi Kurs angeboten wird, wobei Tai Chi Quan als Mischung zwischen chinesischem „Kampfsport!“ und chinesischen Bewegungsformen beschrieben wird.

Egal auf welcher seriösen Quelle man nachlesen will, man wird immer ähnliche Beschreibungen finden wie hier, im Lexikon von Shambhala:

Taijiquan ist eine Lebens und Kampfkunst und wird bei uns im Shambhala seit der Gründung, also seit 1984 unterrichtet. Es ist die Kunst Yin und Yang in Balance zu bringen, die Kunst, Körper, Energie und Geist zu nähren und zu harmonisieren. Genauer heißt das, zu lernen, sowie dem eigenen Körper eine neue Struktur und Aufrichtung zu geben sowie Spannungen und Blockaden abzubauen. Dadurch kann Lebensenergie (Qi) ….
Die ganze Originalbeschreibung zu diesem Zitat finden sie hier Taijiquan

Dort findet man übrigens auch sehr schön geschriebene Abhandlungen zu Taijiquan in pdf-Form von Niki Deistler und Chaitanya Franz Pölzl.

Wenn in Beschreibungen der Kurse auf vhs.at Textstellen vorkommen wie:

Taiji Quan oder chinesisches Schattenboxen genannt, ist eine im Kaiserreich China entwickelte innere Kampfkunst. ….
Tai ji entwickelt innere Kraft und Harmonie, duch die Koordination von Geist und Körper. Die weichen, langsamen und ruhigen Bewegungen stehen im Einklang mit geistiger Konzentration und dem Atem und dienen der Gesundheit…
Taiji Quan ist eine innere Form der chinesischen Kampf- und Bewegungskunst, die die Koordination und Entspannung von Geist und Körper übt. Taiji Quan wird in einer Abfolge langsamer, runder Bewegungen praktiziert…..

kann ich damit einverstanden sein, aber bitte nicht Kampfsport!

Ich zitiere aus Wikipedia:

In Fachkreisen wird meistens eine genauere Differenzierung zwischen Kampfsport und Kampfkunst verwendet. Im Kampfsport steht demnach der reglementierte sportliche Wettkampf im Vordergrund, bei dem es darum geht, im Rahmen der Regeln zu gewinnen und besser zu sein als der Gegner. In den meisten Kampfsportarten werden keine Waffen verwendet, und wenn doch, dann nur Sportwaffen, die die Verletzungsgefahr verringern. Wettbewerbe im Kampfsport sind in der Regel Zweikämpfe, jedoch sind auch andere Wettbewerbsformen möglich.

Eine Kampfkunst hingegen befasst sich in der Regel mit Selbstverteidigung und dem Verhalten in echten, unreglementierten Gefahren- oder Konfliktsituationen. Daher enthält jede Kampfkunst Kampftechniken, die zum Ziel haben, einen Gegner zu besiegen, häufig auch unter der Verwendung von Waffen. Darüber hinaus gehören zu einer Kampfkunst häufig andere Aspekte, wie beispielsweise die Vermeidung von Konflikten im Vorfeld, die generelle Erhöhung der Beweglichkeit, Kraft, Geschwindigkeit oder Selbstdisziplin. Manche Kampfkunstsysteme, vor allem aus dem asiatischen Umfeld, sehen sich als vollständiges System der Lebensgestaltung oder Vervollkommnung mit entsprechendem philosophischem oder religiösem Unterbau, wie beispielsweise das japanische Budo. Vor allem heutzutage treten dabei die eigentlichen Kampftechniken bisweilen sogar in den Hintergrund oder werden nur als Weg zum eigentlichen Ziel verstanden. Wettbewerbe in den Kampfkünsten sind in der Regel keine Zweikämpfe….

Man findet dort auch eine schöne Tabelle zur Unterscheidung zwischen Kampfkunst und Kampfsport.

Ich finde, nur weil bei der englisch sprechenden Bevölkerung alles was mit Kampf zu tun hat „material arts“ also eine Kunst ist, so muss bei uns deshalb nicht alles was mit Kampf zu tun hat, ein Sport sein.

Ja und weil die Kampfkünstler seit aufkommen der Schusswaffen quasi arbeitslos sind, hat sich diese Kunst erfreulicher weise zu einer Lebensform entwickelt, die Gesundheit, Lebensverlängerung (ich meine jetzt nicht den Sieg im Kampf (;-) ) und spirituelle Komponenten in den Vordergrund stellen kann, trotzdem ist und bleibt es eine Kampfkunst.
Moderne Formen sind da eventuell gesondert zu betrachten, doch von Kampfsport kann auch hier keine Rede sein. Ich verstehe unter moderne Formen:

  1. die 37er Kurzform nach Zhèng Mànqīng 鄭曼青 1901-1975
  2. die Beijing 24 Form nach Chinesischer Sport Kommission 1956
  3. und die 42 Competition Form (Wushu competition form combined from Sun, Wu, Chen, and Yang style; 1989)

Alle drei Formen können zwar von Yang Chengfu abgeleitet werden, aber:

Aus Wikipedia: Zheng Manqings Person und sein Stil geraten immer wieder in die Kritik. Seine Kurzform wird von der offiziellen Yang-Familienlinie nicht anerkannt. Anhänger seiner Person und seines Stils vertreten die Meinung, dass „gutes Taijiquan“ nur durch überprüfbare Fähigkeiten (wie z.B. im Tuishou) bewiesen werden könne und die Form nur „die Angel, um den Fisch zu fangen“ ist, also das Mittel zum Zweck, die Prinzipien des Taijiquan zu verstehen und umsetzen zu können.

In „Ji Ben Gong“ von Niki Deistler wird „Der Weg der Kampfkunst“ sehr ausführlich beschrieben. Dabei geht er auch näher ein auf „Wu“ und „Wen“, die inneren und äußeren Kampfkünste.

Ich möchte hier für traditionelle Kampfkünste nur folgendes fordern:
Sie müssen in folgenden Kategorien Techniken vorweisen können:

  1. Schläge und Stöße (Armtechniken …)
  2. Tritte und Beintechnik (Feger, Blocks….)
  3. Wrestling, Würfe
  4. Hebeltechniken, Sperren, Griffe
  5. Waffen

In Tai Chi gehören unter dem zuletzt genannten Punkt zumindest nach Taijiquan (Wikipedia):
* Das gerade, zweischneidige, einhändige chinesische Schwert (Schwert)
* Der chinesische Säbel (Dao)
* Der Fächer
* Der Kurzstock (Qi Mei Gun)
* Der Langstock (Gun)
* Der 3m Langstock (Dagan)
* Der Speer (Qian)
* Die chinesische Hellebarde (Guan Dao)

Mir gefällt aber eine ganz andere Beschreibung am besten:
„Taijiquan ist das Gebet der Taoisten.“

Daher ist dieser Artikel auch von Laotse umschlossen.

Tut ab die Heiligkeit, werft weg das Wissen,
so wird das Volk hundertfach gewinnen.
Tut ab die Sittlichkeit, werft weg die Pflicht,
so wird das Volk zurückkehren zu Kindespflicht und Liebe.
Tut ab die Geschicklichkeit, werft weg den Gewinn,
so wird es Diebe und Räuber nicht mehr geben.
In diesen drei Stücken ist der schöne Schein nicht ausreichend.
Darum sorgt, daß die Menschen sich an etwas halten können.
Zeigt Einfachheit, haltet fest die Lauterkeit!
Mindert Selbstsucht, verringert die Begierden!
Gebt auf die Gelehrsamkeit!
So werdet ihr frei von Sorgen.
aus Tao te king 19

Weblinks:
Ursprung des Tai Chi Chuan (TCC)
Taiji.de
Die Geschichte dcs Taijiquan

Tai Chi Übung

Ich nehme mir vor, ab jetzt öfter einen kurzen Artikel zu den Übungen auf meiner Tai Chi Wiese zu schreiben, auch wenn es keine außergewöhnlichen Begebenheiten zu berichten gibt. So weiß ich später wenigstens, ob ich meinen Prinzipien treu geblieben bin, oder ob ich dem inneren Schweinehund unterlag.
Heute war ich von etwa 8 bis 9 Uhr bei wolkenlosem Himmel und Sonnenschein auf der Wiese und übte die Kurzform. Vorher ein paar einfache Qigong Übungen zum Aufwärmen und natürlich die obligaten 5 Übungen zum Loslassen des Körpers.
Bei der „schönen Frau am Webstuhl“ habe ich gröbere Probleme mit der Choreographie festgestellt, die werde ich mir noch genauer ansehen müssen. Ist aber bestimmt kein Problem für mich, denn schöne Frauen sehe ich mir immer gerne genauer an. 😉

32-33) Schöne Frau am Webstuhl

Zurück zur 37er Form im Yang Style nach Cheng Man Ching.

Nachdem ich heute auf meiner Tai Chi Wiese wieder ein Problem mit der „schönen Frau am Webstuhl“ hatte, werde ich dieses Bild nun einmal zu beschreiben versuchen.
Ich hatte wieder herrliches, sonniges Wetter, nur der Wind sorgte für eine Akazienblütendusche während meinen Übungen zur gewohnten Zeit, zwischen 8 und 9 Uhr.

Manchmal fühle ich mich während der Ausführung der Form leicht wie eine Feder und die Bewegungen kommen mir harmonisch und fließend vor, aber heute hatte ich ein Gefühl, als stünde ich mit einer Ritterrüstung bekleidet in dickflüssigem Beton, der gerade hart wird. Schon bei den 5 Vorübungen (Shen Xin Xie Tiao Fa) fühlte ich eine starke Verwurzelung und bleierne Schwere. Als ich dann dachte, jetzt kommt die „schöne Frau“, war es um meine Konzentration geschehen. Ich merke mir diese Figur vielleicht am besten einfach unter den Namen „Webstuhl“, denn schöne Frauen verwirren mich einfach zu sehr. 😉

Die schöne Frau am Webstuhl

Sie wird 4 mal ausgeführt, jeweils in die vier diagonalen Ecken.
Zuerst Richtung Nordost (NE2):
1.) Von der einfachen Peitsche ausgehend setzt man sich vom vorderen linken Fuß zurück, weg von der linken Hand – der linke Fuß wird eingedreht und der linke Arm sinkt nach unten. Das Gewicht dann auf das linke Bein verlagern und den rechten Fuß auf der Zehenspitze ausrehen. Dabei öffnet sich die Peitschenhand (noch in gleicher Höhe). Sobald der rechte Fuß nach vorne zeigt wird auf die Ferse gewechselt und weiter in die gleiche Richtung gedreht. Dann wird das Gewicht in den rechten Fuß verlagert und die rechte Hand kommt zur rechten Leiste. Es erfolgt ein Schritt mit dem linken Fuß und nun wird der Körper nach rechts (zurück) gedreht wobei das Gewicht von hinten nach vor verlagert wird. Der linke, fast waagrechte Arm ist der ziehende, blockende Arm und der rechte (in einem Winkel von etwa 90° und die rechte Hand ist ein paar cm von der linken entfernt) ist der stoßende Arm (links Block, rechts Stoß).

2.) Richtung Nordwest: Das Gewicht zurückverlagern, linken Fuß stark eindrehen und wieder geht die rechte Hand mit der Handfläche nach oben in die rechte Leiste (fast wie bei einen Ball halten – jetzt linke Hand oben und rechte unten). Das Gewicht auf das linke Bein verlagern und mit dem rechten Bein einen weit ausholenden Schritt nach hinten bei einer Körperdrehung von 270° nach rechts ausführen. Dabei lässt man den rechten Arm zum Block aufsteigen und mit der linken Hand wird jetzt der Stoß ausgeführt (rechts Block, links Stoß).

3. Richtung Südwest: Das Gewicht wieder ganz zurück auf das linke Bein verlagern, die rechte Hand kommt wieder in die Leiste. Gewicht nach rechts linker kurzer Schritt, rechts auf der Ferse nachdrehen. Das Gewicht 70% nach vorne bringen und mit der linken Hand einen Block nach oben ausführen und mit der rechten Hand einen Stoß ausführen (links Block, rechts Stoß).

4. Richtung Südost: Das Gewicht ganz zurück auf den rechten Fuß verlagern und den linken Fuß stark eindrehen. Die rechte Hand in die Leiste und den rechten Fuß nach vorne drehen. Es erfolgt ein Step weit nach hinten. Der linke Fuß dereht nach und der Körper dreht. Dabei schwingt der rechte Arm hoch zum Block und gleichzeitig erfolgt der Stoß im rechten Winkel mit der linken Hand (rechts Block, links Stoß).

Dann folgt eine Wiederholung der Abwehr nach links:
Man setzt sich von beiden Händen zurück die linke Hand sinkt bis der linke Arm waagrecht vor die Brust kommt (die Handflächen zeigen zueinander) und im rechten Winkel dazu zeigt die Handfläche der rechten Hand (Arm vertikal) nach vor. Der rechte Arm klappt dann herunter bis sich die Mittelfinger treffen – rechts nachdrehen – Schritt mit dem linken Fuß, die Abwehr nach links.

Zum Abschluss 2 Videos von YouTube, die Variationen zu der von mir beschriebenen Figur zeigen. Die stoßende Hand liegt bei mir vor dem Stoß immer in Leiste, wobei die Handfläche nach oben zeigt und sie wird gleichzeitig mit dem Körper so gedreht, dass die Handfläche nach vorne kommt.
[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=ApDsHDkhvnA[/youtube]

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=puOcEt-Nndk[/youtube]

Was ist Qigong und Taijiquan für mich?

Nach einem Jahr, schreibe ich mir hier meine dritte Reflexion zu Qigong und Taijiquan auf.

Eine allgemeine Erklärung zu Qigong und Taijiquan findet man auf Wikipedia, hier geht es mir nur um meine persönliche Erfahrung und Meinung, die sich hoffentlich weiter entwickelt.

Ich sagte früher, mir gefällt die Aussage, Tai Chi Chuan sei das Gebet der Taoisten, doch was bedeutet das für mich? Es bedeutet, dass ich mich und mein Leben verstehen möchte und es bewusst in und durch Bewegung besser kennen lernen möchte. Das ich meine Lebensenergie oder Lebenskraft (chi bzw. qi) erkennen und fördern will, also gesund und lange leben möchte. Man könnte bei Taijiquan auch von dem Versuch sprechen: „Das Leben erkennen und respektieren zu lernen“.
Es ist eine Bewegungsmeditation – alles was sich bewegt, braucht einen Impuls, eine bewegende Energie. Kann man das als Lebewesen introspektiv erfassen? Welchen Bewusstheitsgrad kann man dabei erreichen?

Was ist Lebensenergie für mich? Ganz stark vereinfacht kommt es auf den Unterschied zwischen einem lebenden und toten Organismus hinaus. Wenn jemand stirbt, wodurch unterscheidet er sich nach dem Tod von dem, was er davor war? Ich Frage nicht nach den Kennzeichen, die sind hinreichend bekannt, doch ein Nulllinien-EKG und -EEG weist auch darauf hin: „es fehlt die Lebensenergie“. Ob man nun chemische Gleichgewichtsreaktionen, elektrischen Strom, Potentiale zwischen intra- und extrazellulären Räumen betrachtet, es kommt immer zum gleichen Ergebnis. Keine Lebensenergie und kein Energiefluss, kein Chi bzw. Qi (Lebensenergie in der traditionellen chinesischen Medizin).
Zitat aus Wikipedia:

Der chinesische Begriff Qì, gleichbedeutend mit Ch’i (chin. 氣 / 气, W.-G. Ch’i), in Japan als Ki (Kanji: 気) und in Korea als Gi bekannt, bedeutet Energie, Atem oder Fluidum, kann aber wörtlich übersetzt auch Luft, Dampf, Hauch, Äther sowie Temperament, Kraft oder Atmosphäre bedeuten. Außerdem bezeichnet Qì die Emotionen des Menschen und nach moderner daoistischer Auffassung steht es auch für die Tätigkeit des neurohormonalen Systems.

Qì ist ein zentraler Begriff des Daoismus. Die älteste Erwähnung des Begriffes wird dem daoistischen Philosophen Zhuangzi zugeschrieben, der den Kosmos aus Qì bestehend beschrieb. Darüber hinaus ist die Vorstellung vom Qì die ideelle Grundlage der traditionellen chinesischen Medizin.

Die Vorstellung vom Qì prägt bis heute das Weltverständnis vieler Menschen in Asien und zunehmend auch im Westen und hat Bedeutung für verschiedene Religionen. In abgewandelter Form fand das mit dem Begriff verbundene Konzept Eingang in westliches Denken, insbesondere als Bestandteil esoterischer Lehren.

Wie dem auch sei und was man darüber auch schreiben und denken mag, wenn ich Qi mit Lebensenergie übersetze, dann ist damit für mich alles geklärt, denn wer oder was lebt, muss Lebensenergie haben.

Wenn Naturwissenschaftler bezweifeln, das sie leben, so ist das ihre Sache, aber sie sollen mir nichts über mein Leben erzählen. Wenn sie behaupten, es gäbe keine Lebensenergie, zweifle ich sehr an ihren Verstand, weil sie durch ihr kompliziertes Denken anscheinend nicht mehr in der Lage sind, ganz einfache Zusammenhänge zu erkennen. Aber ich kann diesen Gescheitis eine relativ einfache Aufgabe geben, mit deren Lösung sie beweisen könnten, dass ihre Argumente beachtenswert sind.

Es gibt sehr viele Energieträger in meinem Körper (mein Körper ist alles, was meine Tc-Lymphozyten als solchen erkennen) und ein sehr hoher Anteil ist Wasser. Ich lasse alle Konzentrationen, aller komplizierten Stoffe und sogar die einfachsten Elektrolyte weg und stelle somit wirklich die einfachste aller denkbaren Aufgaben, wenn ich frage, ob sich ein oder mehrere Wasserstoffmoleküle in meinem Körper durch eine Qigong- oder Taijiquan-Übung im Magnetfeld der Erde ausrichten kann (können). Wasserstoffbrücken und Van-der-Waals-Wechselwirkungen müssen natürlich berücksichtigt werden.
Ich behaupte, dass ich im vernetzten Cluster der Wassermoleküle ein oder mehrere Wassermoleküle, die sich auch durch ihrer Eigenschaft als elektrischer Dipol wirken zu können auszeichnen, im Magnetfeld der Erde ausrichten kann und zwar durch Qigong oder Taichi. Das ist natürlich nur eine rhetorische Behauptung, um zu zeigen: „wenn man von fast allem (99,99… % aller wesentlichen Faktoren) abstrahiert und nur einen ganz winzigen Aspekt heraus nimmt, ist es trotzdem nicht möglich, mir eine wissenschaftlich korrekte Antwort auf diese Frage zu geben“.
Wissenschaftliche Aussagen können daher von mir ganz sicher nicht akzeptiert werden und ich meine, es wäre sinnvoller, wenn sich Wissenschaftler auf ihre Sache und die Idiopathie konzentrierten.
Jeder Naturwissenschaftler, der das Wort „idiopathisch“ kennt, sollte bemüht sein, der Ursachenforschung für idiopathische Krankheiten zum Erfolg zu verhelfen, statt neue Mutmaßungen über Existenz oder Nichtexistenz von Lebensenergie zu diskutieren und sie dabei als Hitze an die Umgebung abzugeben, denn dieser Vorgang ist irreversibel. Meiner Vermutung nach, kann die zurückgelassene Unordnung der Gedanken nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Zurück zu meinen Gedanken über die Bewegungsmeditation.
Zuerst war die Frage aktuell: „Wie geht das?“ Als ich eine Form, den Ablauf der Bewegungen konnte, zumindest so, dass ich nicht nachdenken musste, was als nächstes kommt, drängte sich die Frage auf: „Was mache ich da eigentlich? Welchen Zweck hat die Übung, bringt es irgend ein merkbares Ergebnis? Zeigt es Wirkung auf mein Wohlbefinden?“

Level 1 und 2
Mir fiel dazu ein, dass Taijiquan unendlich viele Level haben muss und jedes wird aus der Sicht eines Außenstehenden immer schwieriger. Für mich ist Level 1, die Kenntnis und mehr oder weniger die Beherrschung der Prinzipien und einer Form.
Dann kommt ein großer Sprung ins Level 2. Mit zwei Beispielen möchte ich mir aufschreiben, was ich damit meine.
1.) Vergleicht man eine Person A, die Trainigsatrappen aus Styropor verwendet mit einem Sportler der schwere Gewichte verwendet. Nehmen wir an, sie trainieren ihren Bizeps (Musculus biceps brachii). Stehen beide vor mir, kann ich kaum einen Unterschied erkennen, aber nach einiger Zeit wird man das unterschiedliche Ergebnis sehen. Beide führten die gleichen Bewegungen aus, aber nur der Bizeps des Sportlers wird stärker geworden sein. Bei der Taijiquan Form verhält es sich meiner Meinung nach ähnlich, man kann sie wie Person A oder wie der Sportler ausführen, je nach innerer Arbeit und je nach Umsetzung von Prinzipien. Mehr will ich jetzt gar nicht in Betracht ziehen, denn es geht mir um den Übergang von Level 1 nach 2.
Beispiel 2) Jemand lernt eine Klaviersonate ohne irgend etwas anderes zu berücksichtigen außer der Tonfolge. Ohne Takt, Betonung, Wechsel von Tempo, Lautstärke, Dauer usw. wird das Stück nur an die Klaviersonate erinnern, aber mehr nicht. Dies entspricht meiner Meinung nach, etwa dem Beherrschen der Choreographie einer Form. Für Level 2 muss aber auch alles andere eingebracht werden, außer der eigenen persönlichen Note. Ich denke, die hätte in Level 2 noch keinen Sinn und würde nur zu Verwirrung führen.

Einen Schritt nach dem anderen setzen, sonst landet man womöglich auf der Nase oder hängt mit einem Knopf in den Beinen in der Luft und sieht die Erde auf sich zukommen. 😉

Potential (Spannung) und Strom (Energiefluss)

Für jeden Fluss muss ein Potential vorhanden sein und es ist mir logisch, dass Blockaden (Staudämme) den Fluss hemmen. Oben sprach ich vom Impuls der für eine Bewegung in einem Initialsystem vorhanden sein muss und jetzt möchte ich den Widerstand erwähnen.
Ohne Widerstand kann sich ein einmal in Bewegung versetzter Körper, aber auch nur dann immer gleichmäßig weiter bewegen, wenn keine weiteren Kräfte (z.B. Coulomb, Gravitation, Kohäsion, …) zur Wirkung kommen.
Qigong und Taijiquan hilft mir Verspannungen zu Spannung schmelzen zu lassen, wie einen Eisblock zu Wasser und es hilft Blockaden aufzulösen. Das ist spürbar angenehm, meine Füße, mein Rücken und Nacken bedanken sich schon. Ebenso mein Kopf und meine Augen, denn seit die Schulterregion lockerer ist, klappt Versorgung des Craniums besser. Ob ich mir jetzt nur einbilde, dass ich dadurch ruhiger, ausgeglichener und zufriedener geworden bin oder ob es wissenschaftlich beweisbar ist, ist mir völlig egal, mein Umfeld bestätigt mir meine Wahrnehmung und das genügt mir.

Natur
Abschließend möchte ich sagen, dass ich die Verbindung der Übungen mit dem Aufenthalt in der Natur am erstaunlichsten finde. Unzählige male bin ich über Wiesen, vorbei an Bäumen gegangen und habe es nicht beachtet. Ich war mit den Gedanken meist ganz wo anders, aber jetzt bin ich zumindest während der Übungen mit den Gedanken dort, wo ich wirklich bin und das ist mir eine wertvolle Erfahrung.
Es gibt in dieser Zeit keine Vergangenheit und keine Zukunft, keine Sorgen und Aufgaben, keine Ziele und ….. nur die Wiese, die Bäume und manchmal auch Tiere (z.B. Eichkätzchen) und Menschen, aber das nehme ich alles nur wie einen Gegenwartspunkt auf der Zeitachse wahr und es löst keine weiteren Assoziationen aus, da ich auf mich und meine Bewegung konzentriert bin. Durch die Bewegung ändert sich in mir so unglaublich viel, selbst wenn ich die Bewegung so langsam wie nur möglich mache, dass es meine volle Aufmerksamkeit braucht, um wenigstens einen Teil mitzubekommen.
Den Impuls für eine Bewegung willentlich bewusst zu geben (Yi) und dann den Energiefluss (chi) zu bemerken und gleichzeitig zu kontrollieren, ob die Bewegung tatsächlich zu der gewollten Position in der Umgebung geführt hat, ist mir schon zu schwierig, denn dazu müsste ich die Gegenwart ausdehnen können. Den Impuls für die nächste Bewegung zu geben bedeutet eine Ausrichtung in die Zukunft und die Kontrolle des Ergebnisses der letzten Bewegung eine Ausrichtung in die Vergangenheit, doch ich will ja die gegenwärtige Position ganz erfassen. Zusätzlich weiß ich, dass jedes Ende einer Bewegung gleichzeitig ein Anfang sein muss und sogar das Ende der Bewegung im Anfang schon enthalten sein wird, wie das Yin im Yang und umgekehrt, sonst würde sich die Bewegung ja nie ändern können und sie würde nie enden. Das kann aber im Level 2 nicht vorkommen, weshalb ich mir keine weiteren Gedanken darüber mache. Für mich zählt, wie es für mich ist und genau so macht es mir Freude, mit und ohne Level, mit und ohne Reflexion.

Die bewusste Bewegung in der Natur ist mir aber auf jeden Fall viel wichtiger und wertvoller, als die Gedanken, die ich mir gerade jetzt darüber mache.

Man kann Taijiquan auch als äußeres Elixir (Waidan), im Gegensatz zum inneren Elixir (Neidan) betrachten und somit könnte ich Taijiquan eigentlich auch als Unterkapitel von Qigong anführen. Ich möchte mit dieser Bemerkung nur darauf hinweisen, dass eine hirarchische Betrachtung hier nicht unbedingt zielführend ist.

Anfangs ein Zitat von Wikipedia:

Qigong (chin. 氣功 / 气功, qìgōng, W.-G. ch’i-kung), in geläufiger deutsche Schreibweise auch Chigong, ist eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist. Auch Kampfkunst-Übungen werden darunter verstanden. Zur Praxis gehören Atemübungen, Körper- und Bewegungsübungen, Konzentrationsübungen und Meditationsübungen. Die Übungen sollen nach Überzeugung ihrer Anhänger der Anreicherung und Harmonisierung des Qi dienen.

Der Ursprung der Übungen liegt weit zurück, schon im Zhuangzi werden bestimmte Formen angedeutet, und aus der Zeit der Han-Dynastie liegen Seidenbilder vor. Der Name Qigong wurde zum ersten Mal von dem Daoisten Xu Xun aus der Jin-Zeit verwendet, und er bezeichnet seitdem bestimmte Übungen in der Kampfkunst…

Eine konkrekte Form der Lebenspflege. Hier werden Artikel zu Qigong gesammelt.

Taijiquan und Qigong – zu meinen Übungen

Je mehr ich übe, um so weniger schreibe ich, aber ich nehme mir vor, mir wieder öfter Notizen aufzuschreiben, damit ich mir wesentliche Punkte für die tägliche Übungsstunde auf der Wiese leichter merke.
Die vielen Anwendungen zu den Figuren aus der Form überfordern mich noch einigermaßen, da ich gleichzeitig mit einigen neuen Prinzipien, die fast auf die gesamte Form angewandt werden können konfrontiert werde. Vom Cross-alignment, vertikale Halbkreise (unten, oben, vor, zurück über Ferse oder Zehenballen) über Interception Technik und die für mich neuen gedanklichen Vorstellungsmöglichkeiten die mir helfen die Techniken umzusetzen (verdichten gegen eine fiktive Wand vor der Kraftwelle aus dem hinteren Fuß …) usw. Besonders auffällig scheint mir, dass selbst beim Blocken einer angreifenden Faust keine rohe Gewalt nötig ist, sondern manchmal nur ausgewichen wird, häufig Kontakt mit dem Arm hergestellt wird, dann erfolgt oft eine „Übergabe“ an den Arm mit dem man noch keinen Kontakt hat und dabei bringt man sich in eine gute Ausgangsposition, sowohl was den Standposition betrifft, wie auch die Position der Arme. Oft soll so der Partner (Gegner) in seinem Angriff verstärkt werden und selbst weicht man aus, oder man nimmt die Kraft auf und gibt sie zurück. Weicht der Partner zurück, weil er mich rechtzeitig durchschaut, setze ich sofort nach und verstärke seinen Rückzug mit einem Schubs (push). Gerne wird auch schon einfach zuvor gekommen, d. h., wenn ich merke, dass der Partner sich nach vor bewegen möchte und dabei zu langsam ist, kann ich ihn schon im Ansatz stoppen. Zumindest ist es denkbar und manchmal ist es mir auch möglich, da mir die Teilnehmer mit mehr Erfahrung, bei den Übungen auch ab und zu ein Erfolgserlebnis gönnen.
Ach ja, für heute wollte ich nur schriftlich festhalten, dass ich mir öfter dazu Notizen machen werde und mir einen Formfehler aufschreiben möchte. Fehler von heute: bei der schönen Frau am Webstuhl ( 4 Ecken) setzt man sich zuerst von den Händen zurück und dann erfolgt erst die Drehung, ich habe das bis jetzt immer kombiniert und schon beim Zurücksetzen mit der Drehung begonnen.

Bis jetzt haben wir meist single hand oder 7 Punkt push hands geübt, aber zu der mir neuen Art habe ich ein Video gefunden:
Part 5 Push Hands Basics

Dieses Video hat mich natürlich auf die ganze Serie aufmerksam gemacht und sie ist wieder einmal von Erle Montaigue. Wegen seines Alters muss ich annehmen, dass das Video schon etwas älter ist. Hier noch ein neueres,

bevor ich mir die Serie in einem folgenden Artikel zu push hands merke.