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Taijiquan und Qigong – zu meinen Übungen

Je mehr ich übe, um so weniger schreibe ich, aber ich nehme mir vor, mir wieder öfter Notizen aufzuschreiben, damit ich mir wesentliche Punkte für die tägliche Übungsstunde auf der Wiese leichter merke.
Die vielen Anwendungen zu den Figuren aus der Form überfordern mich noch einigermaßen, da ich gleichzeitig mit einigen neuen Prinzipien, die fast auf die gesamte Form angewandt werden können konfrontiert werde. Vom Cross-alignment, vertikale Halbkreise (unten, oben, vor, zurück über Ferse oder Zehenballen) über Interception Technik und die für mich neuen gedanklichen Vorstellungsmöglichkeiten die mir helfen die Techniken umzusetzen (verdichten gegen eine fiktive Wand vor der Kraftwelle aus dem hinteren Fuß …) usw. Besonders auffällig scheint mir, dass selbst beim Blocken einer angreifenden Faust keine rohe Gewalt nötig ist, sondern manchmal nur ausgewichen wird, häufig Kontakt mit dem Arm hergestellt wird, dann erfolgt oft eine „Übergabe“ an den Arm mit dem man noch keinen Kontakt hat und dabei bringt man sich in eine gute Ausgangsposition, sowohl was den Standposition betrifft, wie auch die Position der Arme. Oft soll so der Partner (Gegner) in seinem Angriff verstärkt werden und selbst weicht man aus, oder man nimmt die Kraft auf und gibt sie zurück. Weicht der Partner zurück, weil er mich rechtzeitig durchschaut, setze ich sofort nach und verstärke seinen Rückzug mit einem Schubs (push). Gerne wird auch schon einfach zuvor gekommen, d. h., wenn ich merke, dass der Partner sich nach vor bewegen möchte und dabei zu langsam ist, kann ich ihn schon im Ansatz stoppen. Zumindest ist es denkbar und manchmal ist es mir auch möglich, da mir die Teilnehmer mit mehr Erfahrung, bei den Übungen auch ab und zu ein Erfolgserlebnis gönnen.
Ach ja, für heute wollte ich nur schriftlich festhalten, dass ich mir öfter dazu Notizen machen werde und mir einen Formfehler aufschreiben möchte. Fehler von heute: bei der schönen Frau am Webstuhl ( 4 Ecken) setzt man sich zuerst von den Händen zurück und dann erfolgt erst die Drehung, ich habe das bis jetzt immer kombiniert und schon beim Zurücksetzen mit der Drehung begonnen.

Bis jetzt haben wir meist single hand oder 7 Punkt push hands geübt, aber zu der mir neuen Art habe ich ein Video gefunden:
Part 5 Push Hands Basics

Dieses Video hat mich natürlich auf die ganze Serie aufmerksam gemacht und sie ist wieder einmal von Erle Montaigue. Wegen seines Alters muss ich annehmen, dass das Video schon etwas älter ist. Hier noch ein neueres,

bevor ich mir die Serie in einem folgenden Artikel zu push hands merke.

Taijiquan Anwendungen

Eigentlich hatte ich vor, mir Notizen zu den Anwendungen der jeweiligen Figuren aus der Kurzform aufzuschreiben, aber leider weiß ich schon am Ende der jeweiligen Übungseinheit nicht mehr was wir alles gelernt haben. Daher kann ich aus den zwei Kursen lediglich eine erste Ahnung mitnehmen, wie es funktionieren könnte. Es gibt so viele Anwendungsmöglichkeiten für jede Figur, dass es momentan bei mir nur zur Verwirrung reicht. Ich weiß keine einzige Anwendungskombination mehr und selbst die einfachsten, ersten Anwendungen im Idealfall, also optimal zur Form passend, sind mir in der Praxis plötzlich so fremd, als hätten sie nichts mit der Form zu tun. Verwirrung – jede meiner Bewegungen ist ein Irrtum und führt zu einem Knopf in den Armen und alle Prinzipien sind vergessen, sobald mein Partner einen Angriff simuliert. Ich warte also mit meinen Notizen bis ich die erste Anwendung kapiert habe. Ich meine nicht theoretisch, sondern motorisch, also bis ich sie wenigstens irgendwie kann. Die Vorstellung, dass mir eine einzige Anwendung richtig gut gelingen könnte ist in weite Ferne gerückt und für die nächsten Monate (oder Jahre) ausgeschlossen. Trotzdem ist es recht interessant und obwohl keine rohe Kraft angewendet wird auch körperlich ganz schön anstrengend. Ich merke schon, dass mir die Bewegung gut tut, aber ob ich je eine Figur richtig anwenden können werde, bezweifle ich.
Das Video auf Taijiquan Anwendungen aus der 37er Form ist mir jedenfalls nützlich und jetzt habe ich dazu gerade welche auf Youtube von Master Jesse Tsao gefunden:
Tai Chi Application in Traditional Yang Long Form 1

Yang Long Form 2

und im Chen Style geht es natürlich ähnlich:

und

Folgendes Video zeigt auch ein paar schöne Anwendungsbeispiele, sogar mit Aufnahmen in Zeitlupe:
Taiji quan yang style 108 application

Tägliches Taiji auf der Praterwiese

Leider komme ich momentan nicht mehr dazu, mir das Wesentlichste aus den Taiji-Stunden zu notieren. Es ist einfach zu viel auf einmal und ich kann gerade ein paar Verbesserungen in der täglichen Form auf der Wiese umsetzen, aber zu Notizen reicht die Zeit nicht.
Am Sonntag hatten wir noch ein paar zusätzliche, schöne Stunden auf der Wiese mit Übungen auf der Slackline. Das Training am Morgen ist einfach unbeschreiblich traumhaft. Die herbstlichen Bäume in zauberhafter Farbenpracht und nur Eichkätzchen und Raben als Zaungäste. Jede Übung am Morgen auf der Wiese ist ein unvergleichbares Erlebnis, das ich um nichts in der Welt eintauschen möchte. Keinen Erfolg, keine Stellung, kein Amt, kein Geld könnte mir das ersetzen, mit anderen Worten, es gibt einfach nichts auf dieser Welt, was mir lieber wäre, als diese täglichen Taiji-Stunden auf einer Praterwiese. Zu meinen neuen Übungen und Verbesserungen mache ich mir Notizen, sobald ich genügend Zeit dafür habe.
Noch ganz kurz ein paar Zeilen:
Mein Taiji-Lehrer sagte öfter: „Wenn ihr keine Welle (Kraftübertragung durch den Körper) spürt, dann tut einfach so, als ob, denn dies sensibilisiert (wirkt ähnlich wie die Bahnung in der Neurophysiologie)“. Anfangs, also das erste Jahr habe ich stundenlang versucht eine Kraftwelle zu erzeugen oder wenigstens zu simulieren. Irgendwann wurde es uninteressant und ich tat zwar immer noch so, als ob, aber ich erwartete nichts mehr. Dann bekam ich den Rat breiter zu stehen und den hinteren Fuß mehr nach vorne zu richten. Gleichzeitig sollte ich sanfter, entspannter und langsamer (weil einfacher) sinken. Diese Ratschläge wollte ich beherzigen und damit ich nicht sofort wieder automatisch in meine Fehler komme, habe ich einfach eine andere Himmelsrichtung auf „meiner Wiese“ als Startpunkt gewählt. Zu meinem Erstaunen verselbstständigte sich eine Kraftwelle so heftig, dass ich vor Staunen und Überraschung einfach nur mehr stieg, stieg und im Steigen über mein stabiles Zentrum hinaus und nicht in den vorderen Fuß kommend, fast den Himmel erreichte. Wenn das jemand beobachtet hätte, wäre er sicher nicht auf die Idee gekommen, dass ich Taiji übe, sondern es hat vielleicht so ausgesehen, als wollte ich unter Tags einen Stern pflücken und dabei verlor ich das Gleichgewicht.
Jedenfalls weiß ich seither, was mit „Welle“ gemeint ist und ich kann das inzwischen auch ganz gut dosieren.
Ich habe als Kind bunte Herbstblätter gesammelt und mit meinen Kindern ebenfalls – jedesmal war ich fasziniert von dem Schauspiel der Natur, aber so schön gefärbt wie heuer waren die Blätter noch nie. Ich habe einfach noch nie so ein warmes Goldgelb gesehen. Das Rot und – ach, es ist unbeschreiblich und schön wie nie zuvor.

Taiji-Kurs am Donnerstag

Der Spezialkurs am Donnerstag (und der Kurs am Dienstag) im Shambhala bringt mir wirklich viel, obwohl alle Teilnehmer ein weit höheres Niveau und wesentlich mehr Erfahrung haben. Ich habe es inzwischen aufgegeben, mir Notizen zu den Übungen und Anwendungen zu machen, da es auf meiner Stufe kaum Sinn macht, mir viel aufzuschreiben. Ich bekomme einen ersten Eindruck von der Umsetzung der Prinzipien und eine diffuse Ahnung von den Anwendungsmöglichkeiten und das genügt mir vorläufig. Gesundheitlich spüre ich jedenfalls bereits eine sehr positive Auswirkung. Normalerweise bin November und Dezember immer sehr gedämpft, in melancholischer manchmal sogar leicht depressiver Stimmung, aber heuer ist das absolut nicht der Fall. Die täglichen Übungen und das zwei- bis dreistündige Training drei mal pro Woche hält mich fit, bei guter Laune und munter. Auf meine Beweglichkeit und sogar auf meine Ausdauer wirkt es sich gut aus. Alles in allem ist das Ergebnis also weit über meinen Erwartungen. Besonders freut mich auch die allgemein angenehme Stimmung und die freundlichen Partner mit unterschiedlichstem Niveau in ihren Taiji Kenntnissen und Fähigkeiten.
Selbstverständlich liegt das auch an den hervorragenden Lehrer und seiner Assistenz, die nicht nur Taiji sehr gut können, sondern es auch vermitteln können und die Zusammenstellung der Übungen und den Ablauf optimal gestalten.
Wer denkt, dass man bei einer „inneren“ Kampfkunst nicht ins Schwitzen kommt, der irrt, oder er/sie hat eine ausgezeichnete Kondition. 😉

Demnächst werde ich mich für die Säbelform ausrüsten, mal sehen was bei Fightersworld angeboten wird.

Taijiquan im Ibis Stil

Hier habt ihr den Beweis, meine lieben Taiji-Freunde, also hört endlich auf mich bei der 2ten Übung der fünf Lockerungsübungen nach Huang Xingxiang aauszulachen, wenn ich immer den Kopf nach vor und zurück bewege.
Hallo, hört zu und seht her, früher haben die alten Meister die Gottesanbeterin, den Adler und den Kranich studiert, ich habe mich hingegen auf den roten Ibis spezialisiert. Also nicht auslachen, sondern lächeln, bewundern, anerkennen und loben, dann zeige ich euch vielleicht wie das der Ibis wirklich macht. 😉

Ich glaube, dass ich das Foto früher bereits verwendete und es machte einen bleibenden Eindruck auf mich, was meine Taijifreunde im Shambhala bestätigen können.